If we don't confront climate change,we won't end poverty

Jim Yong Kim, President, World Bank Group

December 18, 2014

 

The last days have seen a number of good pieces of analysis, summarizing the outcomes of Lima and highlighting important dynamics of the discussions. I am therefore not reiterating what was already said, links to useful sources are provided throughout the text. There has been a strong focus on what the Lima decisions, most notably the ‘Lima Call for Climate Action,’ mean for the transparency of expected ‘Intended Nationally Determined Contributions (INDCs)’.

Other elements found worthy of analysis are the legal nature of the future commitments, decisions on the role of adaptation and finance and the ongoing struggle to agree on a joint understanding of what appropriate differentiation means for the new agreement (see here an earlier discussion on options for equity and differentiation). There is even some discussion around MRV, which, in the light of the divers, maybe-binding and woefully inadequate commitments, may prove to be of vital importance to deliver at least a minimum of emissions reductions on the ground.  

April 1, 2015

 

The Gambia has embarked on developing its Intended Nationally Determined Contributions (INDC) for submission to the UNFCCC in advance of the anticipated Paris agreement this year. Together with Sandra Freitas from Climate Analytics we looked at some initial lessons from the process so far. 

The Gambia has been active in the area of climate change for a long time and has a strong track record of supporting ambition at the national and international level. The Gambia is a Least Developed Country, whose emissions in 2000 only amounted to 0.05% of total global emissions. Despite this, the country has been highly vulnerable to the impacts of climate change.

While The Gambia has put a strong focus on adaptation, the INDC process was started because the country also views mitigation with high importance, believing that everybody has a responsibility to contribute to the global effort.

February 2016

 Deutsche Version

 

Ms. Meier is a secretary. She lives and works in a small town in Germany. She has - very likely - never heard of the Paris Agreement, nor would it interest her. Let’s discuss why Ms. Meier is nevertheless key to the success of the Paris Agreement.   

One of the successes of Paris is the joint commitment to a complete change in our energy systems. The common goal to “holding the increase in the global average temperature to well below 2 °C above pre-industrial levels and pursuing efforts to limit the temperature increase to 1.5 °C above pre-industrial levels” provides a strong political signal. It also calls for a “balance between anthropogenic emissions by sources and removals by sinks of greenhouse gases in the second half of this century.” This will only be possible with a swift transition towards a fully decarbonized energy system.

To achieve the required reductions in greenhouse gas emissions, all sectors will need to contribute. Here are a number of reasons, why this discussion focuses on the electricity sector and specifically on coal-fired power generation:

  • Electricity is currently the largest emitting part of the energy sector in most countries;
  • Over 40% of global electricity is produced with coal, with a total increase of coal production from 3 Gt in the 1970s to over 8 Gt in 2014 [1];
  • The long investment time frames in the sector call for swift action to avoid missing the GHG goals or generating stranded assets;
  • Coal mining and power generation often dominates the economic structure in the region, leading to specific challenges.

Up to now, the impressive growth in renewable electricity generation has mostly addressed additional demand from growing economies. Renewable technologies instead of fossil fuel power plants formed part of new capacity built. For most countries event this is already a challenge. In 2014, only 45% of new power production capacity added globally came from renewable sources. In 2012 the World Resources Institute estimated that 1,199 new coal-fired power plants with a total capacity of 1,401,268 MW [2] were being proposed globally. These numbers highlight the magnitude of the challenge. Even in Germany, home to the famous ‘Energiewende,’ new coal-fired power plants are in planning [3].

If we are taking the Paris Agreement seriously, then we need to not only satisfy additional demand with zero-carbon technologies, but need to start changing existing generation systems. To some extent, this can happen ‘naturally’ by closing down coal fired power plants at the end of their technical lifetime and replacing the capacity with renewable technologies. But in most countries, including Germany, this will not be enough, given the number of plants that went online in the last years and will go online in the next few years, and which have a technical lifetime well beyond the 2050s.

So why should Ms. Meier care?

Februar 2016

 

Frau Meier ist Sekretärin. Sie hat sehr wahrscheinlich noch nie vom Klimaabkommen in Paris gehört, und es würde sie auch nicht interessieren. Warum also ist Frau Meier dennoch eine Schlüsselfigur für den Erfolg des weltweiten Klimaschutz?

Einer der großen Erfolge von Paris ist das gemeinsame Bekenntnis zu einem kompletten Wandel unserer Energiesysteme. Es wurde das Ziel definiert, „die globale durchschnittliche Temperaturerhöhung deutlich unter 2°C über vorindustriellem Niveau zu halten und Anstrengungen zu unternehmen, die Erwärmung auf 1,5°C zu beschränken“. Dies sendet ein starkes politisches Signal. Das Abkommen spezifiziert auch, dass wir dies durch eine „Balance zwischen durch Menschen verursachte Emissionen und Emissionsreduktionen“, sprich Netto keine Emissionen, bis zur Mitte des Jahrhunderts erreichen sollen. Das wird nur durch einen schnellen Übergang zu einem komplett dekarbonisierten Energiesystem möglich sein.

Um dies zu erreichen werden alle Sektoren ihren Beitrag leisten müssen. Hier einige Gründe, warum dieser Blog sich dennoch auf den Stromsektor und speziell auf Kohlestrom fokussiert:

  • Die Stromerzeugung ist momentan in vielen Ländern für den größten Anteil an Emissionen im Energiesektor verantwortlich;
  • Die langen Investitionszyklen im Stromsektor bedingen, dass schnell gehandelt werden muss, um zu verhindern dass entweder das Emissionsziel verfehlt oder Vermögenswerte verloren gehen; 
  • Kohlebergbau und Stromerzeugung dominieren oft die Wirtschaftsstruktur einer Region, was besondere Herausforderung an einen Wandel mit sich bringt.

Das beeindruckende Wachstum von erneuerbarer Stromerzeugung hat bisher vor allem die durch Wirtschaftswachstum steigende Nachfrage bedient. Anstatt neue fossile Stromerzeugung zu bauen, wurde Produktionskapazität auf erneuerbarer Basis geschaffen. Für viele Länder ist selbst dies schon eine Herausforderung. 2014 waren nur 45% der neu errichteten Stromerzeugungskapazitäten auf erneuerbarer Basis. Das World Resources Institute schätzte in 2012, dass global 1.199 neue Kohlekraftwerke in Planung waren, mit einer Gesamtkapazität von 1.401.268 MW [2]. Diese Zahlen machen die Herausforderung deutlich. Selbst in Deutschland, der Heimat der „Energiewende“, sind neue Kohlekraftwerke in Planung [3].

Wenn wir das Klimaabkommen in Paris ernst nehmen, dann müssen wir nicht nur zusätzlichen Bedarf mit emissionsfreien Technologien decken, sondern müssen beginnen auch bestehende Erzeugungssysteme zu ändern. Zu einem gewissen Grad kann dies „natürlich“ geschehen, indem Kohlemeiler am Ende ihrer technischen Lebensdauer durch erneuerbare Erzeugungskapazitäten ersetzt werden. In den meisten Ländern, Deutschland eingeschlossen, wird das nicht ausreichen, auch im Hinblick darauf, wie viele Kohlekraftwerke in den letzten Jahren ans Netz gingen und in den nächsten Jahren noch ans Netz gehen werden. Diese werden eine technische Lebensdauer weit über die 2050er Jahre haben. 

Warum also sollte Frau Meier das interessieren? 

Frau Meier lebt nah der polnischen Grenze in einem der drei deutschen Braunkohlereviere. Braunkohle wird hier seit den 1850ern abgebaut. Das erste Kohlekraftwerk ging 1894 ans Netz. Der Tagebau hat die Landschaft geprägt und unzählige Dörfer und Städte wurden im Lauf der Zeit umgesiedelt. Die Region lieferte den Großteil der Energie für die nationale Wirtschaft während der DDR Zeit. Braunkohle ist seit über einem Jahrhundert das Fundament der wirtschaftlichen Entwicklung in der Region und ist tief in der regionalen Identität verwurzelt. 

Heute arbeiten tatsächlich nur noch ca. 8.000 Menschen im Sektor, verglichen mit 10-mal mehr 1989. Dennoch, die Löhne im Braunkohlebergbau und Energiesektor sind deutlich überdurchschnittlich und ein wichtiger Beitrag zur lokalen Wirtschaft. Frau Meier hat eine Teilzeitstelle in einem kleinen Ingenieurbüro. Ihr Mann arbeitet im Kohlebergbau, wie schon sein Vater und Großvater. Beide befürchten ihre Arbeit zu verlieren, wenn Braunkohlebergbau und -verstromung aufhören. Sie fragen sich, ob ihre beiden Kinder eine Zukunft in der Region haben, oder ob sie, wie so viele andere es schon getan haben, weggehen müssen. 

Ökonomische Studien zeigen die Vorteile von erneuerbaren Technologien und Energieeffizienz für die Gesellschaft. Sie bringen einen wertvollen Beitrag zur Diskussion und demonstrieren die Vorteile für die Gesellschaft als Ganzes. Sie beschäftigen sich jedoch selten mit den Effekten auf der regionalen und lokalen Ebene. Dort wird es schwierig: neue Arbeitsplätze die geschaffen werden können in derselben Region entstehen wie die, die verloren gehen - oder auch nicht. Die neuen Arbeitsplätze können ähnliche Anforderungen an die Ausbildung und das Wissen der Mitarbeiter stellen - oder auch nicht. Aus volkswirtschaftlicher Sicht mag das keine Rolle spielen - aus sozialer, politischer und regionaler Perspektive schon. Es beeinflusst wie wir den notwendigen Wandel vermitteln, unterstützen und steuern müssen.

Frau Meiers Arbeitgeber ist Mitglied einer lokalen Initiative, die die Fortführung der Braunkohlenutzung fordert. Er befürchtet, dass die Schließung der Braunkohleförderung die allgemeine Wirtschaftslage in der ohnehin strukturschwachen Gegend weiter schwächt. Er fürchtet, dass sein Ingenieurbüro dann nicht mehr wirtschaftlich arbeiten kann und seine 15 Mitarbeiter ihren Arbeitsplatz verlieren. Die Initiative betreibt eine Website, setzt sich in der Politik für den Erhalt der Braunkohle ein und organisiert öffentliche Veranstaltungen. Dies ist eines von vielen Beispielen, wie Angst zu Widerstand gegen Veränderung führt

Viele, die direkt betroffen sind, wie Frau Meier, fürchten um ihre Arbeitsplätze und ihr Wohl. Andere um ihre Profite, und wieder andere sind einfach unsicher, was die Veränderungen für ihr Leben bedeutet. In der Summe führt das oft zu Situationen in denen Entscheidungen zum Ausstieg aus der Kohle politisch unmöglich werden. Wir müssen anerkennen, dass diese Ängste legitim sind und wir sie ernst, angemessen und mit Respekt adressieren müssen. Ohne dabei das finale Ziel aus den Augen zu lassen: die komplette Entkarbonisierung des Stromsektors.

Wenn wir die legitimen Ängste von Menschen wie Frau Meier, ihrem Mann und den Millionen anderen wie ihnen Rund um die Welt, nicht ernst nehmen, wird das Pariser Klimaabkommen scheitern. 

Klare politische Signale für einen Kohleausstieg sind nur ein erster Schritt. In einem Klima der Angst und der daraus resultierenden Opposition wird es schwierig für Politiker diese Signale zu senden. Um diese Ängste zu überwinden und eine positive Dynamik zu erreichen, müssen wir fünf Prinzipien beachten:

  • Aufbau starker regionaler Koalitionen, die alle Betroffenen und Interessengruppen an einen Tisch bringen, um realistische Ausstiegs-Szenarien zu entwickeln: Ja, es ist schwierig, aber es gibt keine Alternative dazu MITEINANDER statt GEGENEINANDER zu reden. Viel Zeit, Energie und Ressourcen werden momentan verwendet um tendenziöse Informationen zu generieren, die eigene Interessen in Öffentlichkeit und Politik unterstützen sollen. Um LÖSUNGEN statt nur PROBLEME zu diskutieren, müssen alle Seiten zusammenarbeiten und sich auf grundlegende Fakten einigen. 
  • Beteiligte müssen in die Lage versetzt werden ihre eigene, individuelle Vision zu entwickeln für eine realistische Entwicklungsmöglichkeit im gegebenen Kontext: Die Lösungen werden notwendigerweise individuell und unterschiedlich für jede betroffene Region sein. Es ist unabdingbar, dass alle Betroffenen und Interessengruppen einer Region diese Vision, sowie die notwendigen Schritte um sie zu verwirklichen, gemeinsam entwickeln. Nur so können das fundierte Wissen und die Erfahrungen aller Beteiligten optimal genutzt werden, um einen realistischen Weg zu definieren und Verbindlichkeit und die Übernahme von Verantwortung für eine erfolgreiche Umsetzung zu schaffen. 
  • Unterstützung an die individuelle Vision anpassen: Die Standardlösung für politisch bedingten Strukturwandel ist erst mal einen Fond ins Leben zu rufen. Das ist ein bisschen wie eine Arbeitsgruppe zu bilden, wenn einem nichts anderes einfällt, und hoffen, dass schon was Nützliches dabei rauskommt. Finanzielle Unterstützung für den erforderlichen Umbau ist sicherlich ein wichtiges Element für die Regionen. Geld allein wird aber nicht sehr effektiv sein, wenn es nicht zielgerichtet eingesetzt wird auf Basis einer realistischen Vision, die die Aktivitäten lenkt. Abhängig von der Vision kann zusätzliche Unterstützung in Form von zum Beispiel Änderungen rechtlicher Rahmenbedingung oder verstärkter Kooperation mit anderen Regionen sein.
  • Aus Erfahrungen lernen: Strukturwandel ist kein neues Phänomen. Insbesondere der Kohlebergbau hat eine bewegte Geschichte und hat im Lauf des letzten Jahrhunderts viele Veränderungen gesehen. Kohleminen waren ausgekohlt oder wurden wirtschaftlich unrentable. Viele dieser Prozesse waren langsam und die Anpassungen daher einfacher. Manche jedoch waren auch sehr abrupt, wie beispielsweise die ökonomischen Strukturverschiebungen in Osteuropa in den 1990ern. Aber auch andere Sektoren haben fundamentale Veränderungen erlebt, die dazu führten, dass sich ganze Regionen umstellen mussten, wie beispielsweise die Textilindustrie in weiten Teilen Europas. Wir müssen aus diesen Erfahrungen innerhalb und außerhalb des Kohlesektors lernen, lokal und global. Die fundamentale Herausforderung der kompletten Neuorientierung einer Wirtschaftsregion ist universal. Wir müssen uns genauer anschauen welche Ansätze erfolgreich waren, welche nicht und - am Wichtigsten - warum. 
  • Neue Geschäftsmodelle mit Energieversorgern und Kunden erarbeiten: Energieversorger und Bergbauunternehmen sind natürlicherweise Gegner von Kohleausstiegsplänen. Diese versprechen Profite zu mindern und erfordern die Änderung von etablierten Aktivitäten. Wir müssen anerkennen, dass diese Unternehmen Arbeitsplätze für viele Menschen bieten und Strom für unsere Gesellschaft liefern. Ihre Expertise über die Funktionsweise des Stromsystems ist unentbehrlich für die Sicherung einer stabilen Versorgung. Wir müssen sie zu einem Teil der Lösung machen, mit einer klaren Aufgabe im zukünftigen System. Das bedeutet, dass wir uns von liebgewonnene Stereotypen auf beiden Seiten trennen müssen. Es verlangt den Willen Differenzen aus der Welt zu schaffen und gemeinsam etwas Neues und Besseres zum Wohl von allen zu schaffen. 

Deutschland, wie alle anderen, ist erst am Anfang dieser neuen Entwicklung. Global müssen wir beginnen bestehende Systeme zu ändern, nicht nur zusätzliche Kapazitäten erneuerbar zu gestalten. Der aktuelle Vorschlag für einen Runden Tisch zum Kohleausstieg in Deutschland ist ein guter Startpunkt. Wenn dieser Prozess es schafft sich auch der regionalen Herausforderungen durch den hervorgerufenen Strukturwandel zu stellen und dabei alle Beteiligten mit an den Tisch zu bringen, kann dies ein Vorbild für andere Länder und Regionen mit ähnlichen Problemen werden.

Wenn wir alle Bedenken ernst nehmen und Beteiligte einladen ihre Zukunft mitzugestalten, statt nur zu reagieren und zu blockieren, können wir es vielleicht - gerade noch - schaffen um die schlimmsten Effekte des Klimawandels zu vermeiden und das Pariser Klimaabkommen zu einem dauerhaften Erfolg zu machen. 


[1] Etwa 70% davon werden zur Strom- und Wärmeerzeugung genutzt, während es in den 1970ern noch 45% waren 

[2] Zum Vergleich: die gesamte Stromerzeugungskapazität in Deutschland betrug 2014 nur 183.600 MW

[3] Genehmigungsphase, zwei Steinkohle-Kraftwerke sind im Probebetrieb und eines ist aus administrative Gründen im Bau gestoppt